Achtsames Schreiben: Wie du durch Schreiben achtsamer leben kannst

Achtsames Schreiben: Wie du durch Schreiben achtsamer leben kannst

In meinen Schreibritualen verbinden wir Meditation und handschriftliches Schreiben, um in uns selbst einzutauchen und auf uns und unser Leben zu schauen. Die Art und Weise, wie wir dabei schreiben, habe ich „achtsames Schreiben“ genannt, da sie im doppelten Sinne achtsam ist:

  • Ich horche in mich hinein und schenke meiner Innenwelt bewusste Aufmerksamkeit. Ich bin also achtsam mit dem, was jetzt in mir vorgeht, lasse Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche, Sorgen, Pläne, usw. ungefiltert aufs Papier fließen und gebe ihnen damit Raum. Dadurch stärke ich die Verbindung mit meiner Innenwelt, werde zur aufmerksamen Beobachterin meiner selbst ~ und kann bewusst und eigenverantwortlich in Heilungs- und Veränderungsprozesse eintauchen.
  • Ich schreibe mit der Hand, das heißt im eher langsamen Tempo, und muss dabei jeden Buchstaben einzeln formen. Dies passiert ohne Stress, Druck oder sonstige Erwartungen an mein Schreiben. Ich lasse jegliche Kontrolle los und nehme an, was jetzt gerade emporkommt, indem ich es direkt aufschreibe. Dies macht auch den Schreibprozess an sich achtsam, denn er bringt mich direkt ins Jetzt, macht sichtbar, was jetzt in mir vorgeht.

Was ist „achtsames Schreiben“?

Achtsames Schreiben ist keine schwierige Fähigkeit, die wir erst noch lernen oder begreifen müssen. Das Wichtigste ist, dass wir uns Zeit und Raum nehmen, um schreibend in uns einzutauchen. Und das am besten regelmäßig, denn die Wirkungen des achtsamen Schreibens entfalten sich erst mit der Zeit.

Ich gestalte mir ein bewusstes Ritual.

Es hilft mir, einen festen Zeitrahmen zu haben und regelmäßige Termine für mein achtsames Schreiben einzuräumen. Es ist besonders schön, wenn ich es mir für mein Ritual gemütlich machen kann, zum Beispiel mit Kerzen, Kleinigkeiten aus der Natur, einer Tasse Tee oder Kaffee.

Ich nehme mir Zeit für mich.

Es gibt kein pragmatisches Ziel, das ich beim achtsamen Schreiben erreichen muss. Meine Ergebnisse und Leistungen sind nicht messbar ~ das Einzige, was zählt, ist dass ich mir Zeit nehme, um einfach mit mir und meiner Innenwelt zu sein.

Ich brauche keinen Schnickschnack.

Zum achtsamen Schreiben brauche ich nur Stift und Papier. Ob es ein Füller oder ein Kugelschreiber, ein paar Blätter Schmierpapier oder ein Notizbuch ist, ist nebensächlich. Wichtig ist nur, dass ich handschriftlich schreibe und keinen Computer oder andere Maschinen zum Schreiben nehme. So bin ich in tieferer Verbundenheit mit meinem Körper und dadurch auch näher bei mir.

achtsames Schreiben für mehr Achtsamkeit und bewusstes Sein_Schreibrituale

Ich schreibe wertfrei alles auf.

Alles, was in mir vorgeht, hat auf dem Papier Platz. Egal, welche Gedanken oder Gefühle. Ich lasse mich eine Weile in mir treiben und höre genau zu. Ich schreibe ungefiltert auf, was hochkommt, werde zur interessierten Forscherin in mir selbst. Den Prozess des Schreibens akzeptiere und genieße ich dabei. Und ich wertschätze mich dafür, dass ich mir gerade Zeit für meine Selbsterforschung, für mich nehme, anstatt „im Gegenzug“ große Erkenntnisse oder Ideen zu erwarten.

Es gibt keine Erwartungen.

Ich überlege mir nicht, was für ein Text entstehen soll ~ ob grammatikalisch einwandfrei, mit vollständigen Sätzen, ein Gedicht oder eine spannende Geschichte. All das muss mich nicht kümmern, denn ich bin die Einzige, die diesen Text lesen wird. Kein pragmatisches Ziel gibt es, das ich beim achtsamen Schreiben erreichen möchte. Es gibt auch keine Längenvorgabe beim achtsamen Schreiben. Ich setze mir einfach einen Zeitrahmen und beobachte, wie viel schreibend entstehen möchte. Das wird mal mehr und mal weniger sein ~ und das ist völlig in Ordnung.

Ich bin liebevoll und geduldig mit mir.

Beim achtsamen Schreiben darf ich wertfrei in Verbindung mit meiner Innenwelt gehen. Das bedeutet, dass jedes Gefühl, jeder Gedanke jetzt gerade sein darf und ich mich nicht dafür verurteilen oder schämen muss. Ich bin es mir wert, mein Inneres auf Papier zu bringen, egal wie „unwichtig“ es mir in diesem Moment vorkommen mag. Alles in mir darf sein, darf betrachtet werden ~ nichts davon ist dramatisch und muss mich in Panik versetzen. Ich lasse es fließen mit neugierigem und liebevollem Blick.

Welche Wirkungen hat achtsames Schreiben?

Regelmäßig angewandt, hat achtsames Schreiben kraftvolle und vor allem transformierende Wirkungen auf mich und mein Leben.

Ich fühle mich geerdeter in mir, ausgeglichener und ruhiger. Denn ich verbinde mich schreibend mit meiner Innenwelt in diesem Moment und komme bewusst bei mir an. Dies führt dazu, dass ich mich selbst und meine Bedürfnisse besser kennenlerne, was wiederum eine innere Klarheit und Leichtigkeit mit sich bringt, die ich auch nach außen in meinem Leben ausstrahle. Ganz natürlich habe ich begonnen, mehr und mehr im Einklang mit Mir, mit meiner inneren Führung zu handeln und mein Leben (neu) zu gestalten. Dies bedeutet ebenfalls, dass ich selbstbestimmter geworden bin: Ich habe erkannt, dass ich selbst für mein Leben verantwortlich bin und die Aufgabe habe, dies zu verändern, Probleme zu lösen und eigenverantwortlich für mich und meine innere Welt da zu sein.

Indem ich achtsam schreibe, erlaube ich es mir, mein inneres Erleben in den Fokus zu setzen.

Durch regelmäßiges achtsames Schreiben durchlaufe ich eigenmächtig innere Heilungsprozesse, lege Schutzstrategien und unbewusste Rollen ab, die zuvor noch für sich wiederholendes Drama in meinem Leben gesorgt haben. Dadurch begebe ich mich in nachhaltige Veränderungsprozesse, die mein Leben grundlegend verändert haben. Es wurde natürlicher für mich, mit mir und meiner Innenwelt einzuchecken und meine innere Stimme wahrzunehmen, die fortan mein Kompass ist.

Durch achtsames Schreiben bin ich tiefer mit Mir und mit dem jetzigen Moment verbunden ~ und bin dadurch in der Lage, auch mit anderen in tiefere Verbindungen zu gehen.

Mithilfe vom achtsamen Schreiben haben andere Menschen, äußere Energien und Meinungen weniger Einfluss auf mich und mein Leben. Gerade weil ich besonders feinfühlig bin, nehme ich schnell und unbewusst äußere Einflüsse in mich auf. Das achtsame Schreiben hilft mir dabei, mein Bewusstsein dafür zu stärken, was hier tatsächlich aus mir herauskommt, was mir von anderen Menschen suggeriert wird ~ und wo ich Grenzen setzen darf und möchte. Das soll nicht heißen, dass ich mich vor den Einflüssen anderer schützen müsste: Im Gegenteil, ich tauche durch achtsames Schreiben bewusst in alles ein, was sich in mir zeigt, und erlaube es mir, dies anzuschauen, zu fühlen und zu reflektieren. Nur so sind tiefere und bewusstere Verbindungen mit meinen Mitmenschen möglich.

Zudem macht mich dies selbstbewusster ~ nicht im Sinne von arrogant oder gefühlskalt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes durch mehr Bewusstsein für mich und meine Innenwelt. Ich bin weniger selbstkritisch und verurteilend geworden, sondern liebevoller mit mir, was mich mutiger und authentischer macht in allem, was ich tue.

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