Morgenseiten schreiben: So geht die Schreibmeditation am Morgen

Morgenseiten schreiben: So geht die Schreibmeditation am Morgen

Alles begann für mich mit Julia Camerons „The Artist’s Way“ (deutsch „Der Weg des Künstlers“). Mein bewusster, künstlerischer Weg wurde mit diesem Buch extrem angestoßen. Fest damit verwoben ist auch das darin vorgestellte Ritual der Morgenseiten („Morning Pages“), die ich seitdem möglichst täglich schreibe.

  • Möchtest du die Verbundenheit mit dir stärken und fokussierter durch den Tag gehen?
  • Möchtest du negative Gedankenspiralen durchbrechen?
  • Möchtest du dein kreatives Potenzial entfalten?

Dann könnte das Morgenseiten Schreiben etwas für dich sein. In diesem Artikel erfährst du, was Morgenseiten sind, was du dabei unbedingt beachten solltest und welche Wirkungen sie haben können.

Morgenseiten schreiben ist simpel, doch unendlich wirksam

Meist sind es die einfachsten, kleinsten Veränderungen in unserem Leben, die den Unterschied machen und die größten Entwicklungen anstoßen. Morgenseiten gehören definitiv dazu. Für diese schreibe ich morgens gleich nach dem Aufstehen drei Seiten. Und zwar handschriftlich, möglichst ohne den Stift abzusetzen.

Klingt machbar, oder? Ist es auch.

Wichtig ist nur, dass ich es fest in meinen Morgen einplane, wenn ich die kraftvollen Wirkungen des Morgenseiten Schreibens für mich und mein Leben nutzen möchte. Denn drei DIN-A4-Seiten können an manchen Tagen ganz schön lang wirken. Oder mein Bett ist morgens besonders gemütlich, sodass ich es vorziehe, noch eine halbe Stunde länger liegen zu bleiben, anstatt für meine Morgenseiten früher aufzustehen. An manchen Tagen bin ich langsamer und an anderen schneller beim Morgenseiten Schreiben. Je nachdem wie aktiv mein Kopf gerade ist und wie schnell er mir Gedankenfutter liefert, das ich aufs Papier bringe.

Was du beachten solltest, wenn du Morgenseiten schreibst

Morgenseiten schreiben: Ritual, um achtsam in den Tag zu starten

Tatsächlich gibt es fürs Morgenseiten Schreiben nur eine einfache Regel: Schreib alles auf. Egal was. Dein Gedankenstrom hat bei den Morgenseiten drei Seiten lang Platz. Du darfst dich jeglichem gedanklichen Abfall entledigen. Warte nicht auf großartige, ästhetische Formulierungen oder erwarte gar, dass kreative Texte entstehen, sondern schreib einfach. Gerne auch mit Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern, unvollständigen Sätzen und ständigen Wiederholungen. Gerne zu einem einzelnen oder zu vielen verschiedenen Themen, die dir gerade durch den Kopf gehen. Gerne über deine Pläne fürs Abendessen oder deine tiefste Lebensvision.

Alles ist erlaubt. Schreib, bis alle drei Seiten gefüllt sind.

Dann leg deinen Stift beiseite und auch deine Seiten. Niemand sonst soll sie lesen. Nicht einmal du selbst solltest sie sofort wieder zur Hand nehmen. Schließlich möchtest du beim Morgenseiten Schreiben vor allem loslassen. Doch kann es spannend sein, deine Seiten mit zeitlichem Abstand noch einmal zu lesen, um zu sehen, was sich seitdem entwickelt hat in deinem Leben.

Du kannst dir überlegen, ob du deine Seiten wegwirfst oder aufbewahrst. Nur weil sie unseren „gedanklichen Müll“ enthalten, macht es die Morgenseiten nicht weniger wertvoll. Du darfst sie auch in ein Notizbuch schreiben, um dein Ritual des Morgenseiten Schreibens zu zelebrieren. Belohne dich dafür, dass du dir Zeit für dich nimmst.

Im Fokus der Morgenseiten steht deine gedankliche und emotionale Entleerung, daher solltest du beim Schreiben so wenige Erwartungen oder Hemmungen wie möglich haben.

Und doch kann es passieren, dass das ein oder andere Mal witzige Wortspiele aus deiner Feder fließen. Oder dass dir beim Schreiben eine kreative Lösung für ein Problem begegnet, an die du vorher nie gedacht hättest. Oder dass du dich plötzlich mitten in einer Romanidee wiederfindest. Oder gar einen Wunsch niederschreibst, der dir bisher nicht bewusst war.

Alles ist erlaubt bei den Morgenseiten – genau deshalb sind sie ein wahres Helferlein für meine Kreativität. Ich befreie meinen Geist und öffne ihn auf spielerische Weise für jeglichen künstlerischen Ausdruck. Damit meine ich nicht nur fürs Schreiben, sondern für alles, worauf ich Lust habe.

Was bewirken Morgenseiten?

Für mich war es wichtig, die Morgenseiten besonders am Anfang regelmäßig in meinen Alltag zu integrieren und sie am besten gleich morgens zu schreiben. Denn dann habe ich noch am ehesten den Zugang zu meinem Unterbewusstsein, das ich beim Schreiben anzapfe und hervorholen möchte. Schlechte Laune, Müdigkeit oder Stress sind für mich kein Grund, die Morgenseiten ausfallen zu lassen. Gerade an solchen Tagen hat das Morgenseiten Schreiben interessante Erkenntnisse über mich und mein Leben ans Tageslicht gebracht.

Seitdem das Morgenseiten Schreiben eine regelmäßige Gewohnheit von mir ist, erlebe ich:

  • mehr innere Zufriedenheit – Allein schon deshalb, weil ich produktiv und bewusst in den Tag gestartet bin. Doch lasse ich auch negative Gedankenkreise in meinen Morgenseiten zurück.
  • zunehmende Ausgeglichenheit & Gelassenheit – Morgenseiten Schreiben ist wie schreibende Meditation, mit der ich wertfreie Achtsamkeit für meine Innenwelt trainiere.
  • mehr Innere Stärke & Weisheit – Ich finde manchmal Antworten auf ungeklärte Fragen, Lösungen für zuvor scheinbar unlösbare Probleme.
  • mehr Fokus & Klarheit – Ich werde mir schreibend selbst bewusster in dem, was ich wirklich will.
  • mehr Kreativität in meinem Leben – Ich wurde nicht nur in künstlerischer Hinsicht mutiger, Neues auszuprobieren. Auch in meiner Lebensführung wurde ich spielerischer kreativ, da ich durch die Morgenseiten regelmäßig übe, Perfektionismus und meine innere Kritikerin abzulegen.

Morgenseiten Schreiben ist eine auf den ersten Blick wenig effektive Art des therapeutischen Schreibens. Doch genau durch ihre fehlende Struktur, den fehlenden bewussten Zweck, Regeln und Fokus helfen sie mir dabei, mein kreatives (Lebens-)Potenzial zu entfesseln. Indem ich alles aufschreibe. Einfach so. Indem ich das Erfahren meiner Innenwelt, von mir selbst in den Fokus stelle. Und indem es um den Prozess, anstatt um das Endprodukt meines Schreibens geht.

Hast du Morgenseiten schon einmal für dich ausprobiert? Erzähl mir gerne von deinen Erfahrungen in den Kommentaren.

2 Gedanken zu „Morgenseiten schreiben: So geht die Schreibmeditation am Morgen

  1. Liebe Franziska
    Was für eine inspirierende Seite. Danke 🙂 ich schreibe seit ca. Meinem 8.lebensjahr tagebuch und die morgenseiten schreib ich regelmässig mal kürzer mal länger. Ich hab jetzt aber gleich lust, mir ein A4-notizbuch zu kaufen, um drei seiten am morgen zu schreiben. Den weg des künstlers habe ich auch gelesen und ganz viel geschrieben, so cool. Wir waren da sogar im iran in den ferien. Bei mir besteht einfach ein bisschen die „gefahr“, dass ich zu intellektualisieren beginne und manchmal meine intuition etwas überschreibe bzw. Die schreibpower sich alles aus dem kopf holt. Kennst du das?
    Liebi grüess aus der schweiz von herzbauchwerkerin Helen 😀

    1. Huhu liebe Helen,
      Danke dir für deinen lieben Kommentar! 🙂
      Freut mich sehr, dass mein Artikel dich motivieren konnte, jetzt gleich die Morgenseiten zu schreiben.
      Ich weiß, was du meinst mit dem „Intuition überschreiben“. Wir dürfen hier ganz achtsam bleiben, dass beim Schreiben natürlich alles sein darf, doch dass es eben nicht darum geht, weiter nur in unseren Gedankenkreisen festzustecken, sondern uns auch an das darunterliegende Gefühl heranzutasten und tiefer zu gehen.
      Ich zum Beispiel habe auch Tage, an denen ich morgens nicht das Gefühl habe, dass das Morgenseiten Schreiben jetzt das Richtige für mich ist, sondern dass ich erstmal durch Yoga wieder in meinen Körper kommen möchte. Da sind wieder einmal wir selbst der Allerwichtigste Kompass. 🙂
      Ganz lieben Gruß zurück in die Schweiz aus Portugal!
      Franziska

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